Der kleine Buchstein

derkleinebuchsteinAus welcher Richtung auch immer der Kleine Buchstein gesehen wird, seine turmartige Gestalt, ein Bergklischee wie aus dem Bilderbuch, bezaubert den Betrachter unweigerlich.
Zwar unterschreitet der dreizackige Gipfel die 2000er- Grenze um mickrige zehn Meter, doch erfordert ein Gipfelgang zwingend das Beherrschen des oberen zweiten Schwierigkeitsgrades.
Die „Unersteigbarkeit des dämonischen Gipfelblocks“ schien für die St. Gallener Jägerschaft lange in Stein gemeißelt. Erst nach der siebenten Begehung durch Marktgraf Alfred Pallavicini, der in einem Blechfeuerzeug (!) einen Zettel mit der Inschrift: „11. 9. 1885 – Pallavicini, Posvzèk, Fischer und Steiner“ hinterlegte, galt die „trotzige Felszinne“ offiziell als bezwungen. Bestätigt wurde die verwegene Tat durch den Augenzeugen Hofmeister Pozweg sowie durch die Mitnahme der Gipfelkarte von Heinrich Hess (29. 8. 1877). Den Gstatterbodener Schichtmeister Andreas Rodlauer (später als „Schwarzer Peter“ der Wilderei verdächtigt), wird dieser Disput wohl amüsiert haben; er betrat – unbestätigten Quellen nach – die Gralsburg bereits im Jahr 1862, also schon 15 Jahre bevor er Hess und Gerstenberg zum Gipfel führte.
Die Zustiege zum westseitigen Gipfelaufschwung erfolgen entweder vom ehemaligen Gasthof Eisenzieher bei St. Gallen aus, zunächst durch den Griesbachgraben und höher oben über den Sparerriedl oder vom Erb bei St. Gallen aus durch den romantischen Mühlbachgraben.
Ein weiterer, landschaftlich hervorragender Zugang ist von Osten her über die Ennstalerhütte gegeben. Ab der Nordschulter (1825 m), auf welcher alle drei Anstiegsvarianten zusammen finden,  wird es anspruchsvoll: Nach einer längeren Querung unterhalb der Westwand zieht ein steiler Riss (Eisenstifte) nach links aufwärts, es folgt eine Rechtskurve mit Gehpassagen in mäßig steilem Schroffengelände und danach, wiederum nach links ziehend erneut eine längere kletterfreundliche Steilstufe, die direkt am spektakulären, nur wenige Quadratmeter großen Nordostgipfel endet (ab Einstieg 1 Std., II+, punktiert). Abstieg am selben Weg.
Die an Höhe beeindruckendste Wandpartie weist die Südseite des Berges mit rund 700 Höhenmetern auf. Durch sie führen etliche historische Kletteranstiege, die jedoch mehr gefährlich als schön sind. Wirklich empfehlenswert sind zwei hakensanierte Anstiege: Die direkte, auch „Bergerkante“ genannte Route an der Nordostseite (V), und der Südwestgrat (III-, eine typische Pfannl/Maischberger-Route), der eine schöne, luftig ausgesetzte Kletterei verspricht. Für dieaus gutem Grund äußerst selten begangene Überschreitung vom Kleinen zum Großen Buchstein sind Nerven aus Stahl ratsam.
Der gezackte Grat der „Schafzähne“ (Pfannl/Maischberger, 1896) ist zwar klettertechnisch nicht schwer (III), jedoch durchgehend extrem brüchig und eine hohe Herausforderung ans alpine Gespür.
(Quelle: Kren Ernst)

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